Betty Quast: Gedichte

Betty Quast
GEDICHTE

ALMENRAUSCH

Vom höchsten Berg 
schau ich ins Tal
eine rasante Fahrt
so weit haben wir’s gebracht
Anmut, die Macht
der Technik
Mit einem elektronischen Enzian
überrasch ich Dich
mein Darling
Wir nutzen alles aus
bis zum letzten Tag
geschwind, geschwind
Du hast Bergfrühlingsblumen 
in den Augen
hörst Du auch die Melodie
-lodie der Zivilisation?
Ein Almenrausch, der mir den Kopf sprengt
bevor die Berge fallen
bevor wir alle untergehn
und kaum noch eine Spur mehr von uns zeugt

Titelgedicht aus Almenrausch – 3 Versuche. Lyrik. Essay. Fotos (der wolf Verlag Wolfsberg, 2018)

*

Am Zollfeld
Versuch

Erst Spar, dann Autohäuser, Industrie
seh den Dom und Tanzenberg, den Ulrichsberg
muß schneller sein
bahn mir meinen Weg
an der S37
Walnuß, Eiche, Griachaln,
sogar Lavendel
aber keine Menschen
nur Verkehr
mit Brachialgewalt
rauscht hier nebenan
noch eine Zeit 
hin zu dem Grüppchen Baum
im weiten Feld
wo Caranthanien begann

Brummie-Fahrer halten zum Pinkeln, ratschen, 
vertreten sich die Beine
Zum museal verglasten Steinviereck
in dem Herzöge ernannt, Recht gesprochen
jahrhundertelang
mag keiner,
und zu Fuß
dringt keiner durch
hierher
und gegenüber
nach Karnburg
ist der Weg zerschnitten.


Aus Unser Kärnten. Literarischer Versuch einer Aufarbeitung. Naša Koroška. Literarni poskus obdelave (Mohorjeva/Hermagoras Klagenfurt, 2020)

*

Meeresgrund

Hochhäuser schlafen sanft im Nebel,
Wartend auf die Wintersonne
Gelblich-weiß, die matte Schönheit
dringt sachte durch die dicke Decke:
Eisblumen blühen, feinste Geschmeide
Bäume und Sträucher verziert, die Antennen
Das kleine Gras gestärkt durch Kristalle
Asphalt erhaben, kunstvoll umsponnen
Unser Staunen, als wir uns trauen,
auf dem Meeresgrund zu wandeln
Fische zwischen weißen Korallen,
Trinkend die milchige, flüssige Luft.

Aus der Sammlung „Die Hochhausstadt“, in meinem Lyrikband Endzeit (tredition 2017)

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